Naturheilkunde
Die Naturheilkunde hat heute neben den schulmedizinischen Behandlungsformen ihren festen Platz im Gesundheitssystem. In vielen Ländern der Welt hat im 20. Jahrhundert die Naturheilkunde, die heute assoziiert wird mit der Alternativmedizin, eine Renaissance erfahren. So hat zum Beispiel die Homöopathie in den USA eine Renaissance erfahren und wurde in Ländern wie Indien, Großbritannien oder Frankreich als Heilmethode staatlich anerkannt. Vor allem in unserem Nachbarland Frankreich haben homöopathische Produkte einen sehr hohen Stellenwert bei ärztlichen Verschreibungen. Gerade die Homöopathie zeigt, dass akzeptierte Behandlungsformen von den kulturellen und medizinischen Traditionen abhängig sind. Eines der liberalsten Länder der Welt in Bezug auf Heilverfahren ist Indien, wo auch viele religiöse Faktoren in den Gesundheitsbereich mit einfließen. In Deutschland haben alternativmedizinische Disziplinen wie die Homöopathie oder die Akkupunktur eine Sonderstellung, da unter anderem diese Disziplinen von privaten Krankenkassen oder Zusatzversicherungen als akzeptierte Naturheilkunden meist übernommen werden. Andere Naturheilverfahren haben teilweise in Deutschland einen schwereren Stand. Naturheilkunde und Alternativmedizin werden heute oft unter dem Begriff der Komplementärmedizin summiert. Hierbei wird der Begriff der Komplementärmedizin als Ergänzung oder Alternative zur Schulmedizin gesehen. Zur klassischen Naturheilkunde zählt man unter anderem Wasseranwendungen, Bewegungstherapien, Therapien, die mit ernährungsspezifischen Lehren verbunden sind, oder auch die Pflanzenheilkunde. Die Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) gehört zu den ältesten Naturheilkundedisziplinen und hat in vielen kulturellen Hochburgen die Medizin der Epoche bestimmt. Die Liste an bekannten Pflanzenheilwissenschaftler reicht von Hippokrates bis zum Franzosen Maurice Mességué, der als einer der Kräuterpäpste des 20. Jahrhunderts zählt. Im Mittelalter hat sich vor allem Hildegard von Bingen um die Pflanzenheilkunde verdient gemacht, da sie unzählige Behandlungsmethoden listete und dokumentierte.
Großer Beliebtheit erfreut sich in den letzten Jahren in vielen europäischen Ländern die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), die auf eine rund 2.000 Jahre alte Medizingeschichte blicken kann. Die TCM ist heute mit vielen Gesellschaften in Deutschland vertreten, unter anderem mit der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA). Die Akkupunktur, als Teilgebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin, wird vor allem als alternative Schmerztherapie in Deutschland akzeptiert. Bei Lendenwirbelsäulenschmerzen oder chronischen Knieschmerzen übernehmen heute die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Behandlungen. Akkupunktur ist weltweit eine sehr angesehene alternativmedizinische Methode, die unter anderem auch in Deutschland von qualifizierten Ärzten angeboten wird. Aus Indien kam Ayurveda nach Europa. Die traditionelle indische Heilkunst hat seit vielen Jahren in Deutschland eine große Anhängerschaft. Die ayurvedische Heilkunde ist vor allem auch bekannt für ihre umfassende Ernährungslehre. Die Heilkunde kombiniert Lebensphilosophien mit Ernährungswerten und hat einen sehr ganzheitlichen Ansatz, den man vor allem in Indien und asiatischen Ländern schätzt.
Internationale Ernährungslehren sind heute in Europa immer mehr im Kommen und werden in Deutschland unter dem Sammelbegriff Diätetik summiert. Unter anderem fallen unter dem Begriff Diäten, die zu bestimmten Krankheitsbilder entwickelt wurden, zum Beispiel für Diabetes. Neben den klassischen indischen und chinesischen Ernährungslehren gibt es auch zahlreiche spezifische Ernährungskonzepte wie Trennkost, Vollwerternährung oder Rohkost, die überaus beliebt sind. Neben den bekannten traditionellen Naturheilverfahren gibt es auch spirituelle und esoterische Lehren, die in inzwischen auch in Deutschland ihre Zielgruppen erreichen.
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